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Ausbreitung von Nutztieren in Madagaskar

Datum: 28.09.2026
Rubrik: Wissenschaft

Eine neue Studie zeigt, wie Nutztiere die Ökosysteme Madagaskars möglicherweise verändert und zum Rückgang der Megafauna beigetragen haben. Durch die Untersuchung der Ernährung und Ausbreitung von Rindern stellen die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Ausbreitung der Weidewirtschaft, der Ausdehnung von Graslandschaften und der Fragmentierung von Wäldern her. Damit ergibt sich ein komplexeres Bild des Megafauna-Aussterbens, als es die Erklärung durch Jagd allein vermuten lässt.

Das Anthropozän ist geprägt von den Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf unsere Umwelt. Dies erfordert eine neue Betrachtung der komplexen Wechselwirkungen zwischen unseren Gesellschaften und dem Erdsystem. Was geschieht, wenn Menschen in einen neuen Lebensraum vordringen? Und wie führen die von ihnen verursachten Veränderungen zu weiteren, möglicherweise unvorhergesehenen Folgen? Eine aktuell veröffentlichte Studie in den Proceedings of the Royal Society B untersucht diese Fragen am Beispiel Madagaskars und zeigt, wie die Einführung domestizierter Tiere die Insel verändert haben könnte.

Das Forschungsteam unter der Leitung von Sean Hixon vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie (MPI-GEA) nutzte die Radiokarbondatierung von Überresten von Hornträgern, um zu zeigen, dass sich Nutztiere nach ihrer Einführung vor etwa 1.200 Jahren rasch über Madagaskar ausbreiteten. Anschließend analysierten die Forschenden stabile Isotope, die in den Knochenproteinen der Rinder erhalten geblieben sind. Dabei stellten sie fest, dass sich die Ernährung der Tiere im Laufe der Zeit veränderte, was auf Veränderungen der Landschaft und Vegetation nach ihrer Einführung hindeutet.

Die offenbar rasche Ausbreitung von Nutztieren über Madagaskar und die zunehmende Nutzung von C4-Gräsern durch Rinder deuten darauf hin, dass die Weidewirtschaft zum beobachteten Rückgang endemischer, im Wald lebender Tierarten beigetragen haben könnte. Der Zeitpunkt dieser Veränderungen, möglicherweise Jahrtausende nach der ersten Ankunft des Menschen auf der Insel, deutet darauf hin, dass die Jagd allein die Aussterbeereignisse bei den Riesenlemuren und anderen Vertretern der Megafauna Madagaskars nicht erklärt.

Foto: Lucien Rakotozafy

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