Auf den diesjährigen Leibniz-Wirkstofftagen in Aachen ist gestern das Peptid Pyrofactin zum Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2026 gekürt worden. Ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat dieses Molekül entdeckt und seine besondere Rolle in einem bislang unbekannten bakteriellen Frühwarn- und Abwehrsystem entschlüsselt.
Im Zentrum der Studie steht die Interaktion zwischen dem weit verbreiteten Bakterium Pseudomonas syringae und der räuberischen Amöbe Polysphondylium pallidum. Die Forscher konnten zeigen, dass das Bakterium ein chemisches Radar einsetzt, um diese Fressfeinde zu erkennen und gezielt zu töten. Dahinter steckt eine ausgeklügelte chemische Signalkette: Das Bakterium produziert den Naturstoff Syringafactin und gibt ihn an seine Umgebung ab. Trifft dieses Molekül auf die räuberische Amöbe, wird es von ihr chemisch verändert. Das Bakterium wiederum besitzt ein spezielles Sensorprotein, das diese veränderten Moleküle als Warnsignal erkennt und gezielt Abwehrmechanismen aktiviert. In der Folge produziert das Bakterium einen zweiten Naturstoff: Pyrofactin, eine für die Amöben tödliche Substanz.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit am Leibniz-HKI. Indem unterschiedliche Fachrichtungen ihr Wissen bündeln, lassen sich selbst komplexe mikrobielle Wechselwirkungen entschlüsseln. Der Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ und der Sonderforschungsbereich ChemBioSys treiben diese interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Naturstoff-Forschung in Jena gezielt voran.
Foto: Bernd Rupp/Leibniz-FMP
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