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Wie sich die Ostalpen heute noch verformen

Datum: 26.08.2026
Rubrik: Wissenschaft

Die Alpen sind eine tektonisch aktive Region, wobei sie sich gegenwärtig vergleichsweise langsam und nicht gleichmäßig verformen. Tiefe geologische Prozesse spielen dabei eine geringere Rolle als gedacht. Das haben Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Italien, Österreich, Polen und Slowenien herausgefunden. Die neue Übersichtsstudie ist im Fachjournal „Tectonics“ erschienen. Die Ergebnisse helfen, Naturgefahren in den Alpen realistischer einzuschätzen und genauer zu verstehen, wo es Erdbeben in den Alpen gibt und warum.

Das Forschungsteam wertete die Ergebnisse von mehreren Dutzend Studien der vergangenen Jahrzehnte aus und kombinierte verschiedene geowissenschaftliche Datensätze und Methoden. Die Forscher haben vor allem die Entwicklung der vergangenen rund eine Million Jahre in den Ost- und Südalpen untersucht.

Die Übersichtsstudie zeigt ein erstaunlich differenziertes Bild: Ein wesentlicher Teil der Verformung konzentriert sich demnach am Rand der Südalpen. Hier treten auch immer wieder verheerende Erdbeben auf, zuletzt 1976 in Friaul. Eine weitere Zone erhöhter Aktivität findet sich im Westen von Slowenien, wo Scherbewegungen von etwa 1,5 Millimetern pro Jahr gemessen werden. Im Inneren der Ostalpen sind ebenfalls aktive große Störungssysteme vorhanden. Dort wird Gesteinsmaterial der Erdkruste langsam nach Osten verlagert – mit Raten von etwa 0,5 bis 1,0 Millimetern pro Jahr.

Nach Einschätzung der Forscher beeinflusst die Festigkeit der Erdkruste, wo sich Spannungen aufbauen und damit, wo Erdbeben auftreten und sich das Gebirge hebt. So spielen isostatische Ausgleichsbewegungen eine wichtige Rolle: Seit dem Ende der letzten Eiszeit haben die schmelzenden Gletscher das Gewicht, das zuvor auf die Erdkruste wirkte, stark reduziert. Die neue Studie unterstreicht damit auch, wie wichtig die Kombination verschiedener geowissenschaftlicher Daten und Methoden in der modernen Geoforschung ist, um langsame tektonische Prozesse zuverlässig zu erfassen.

Foto: Christoph Grützner/Universität Jena

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