Die Debatte um das geplante Bürgerzentrum in Winzerla hat den Jenaer Stadtrat erneut beschäftigt und zeitweise für heftige Wortgefechte gesorgt. Anlass war ein Antrag auf eine Bürgerbefragung, den die Mehrheit des Stadtrats schließlich ablehnte.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, ob der zuletzt beschlossene Kompromiss zur Bauplanung technisch überhaupt umsetzbar ist. Dieser sieht vor, die Grünfläche möglichst zu schonen und stattdessen den bestehenden Parkplatz stärker in das Baufeld einzubeziehen. Nach Angaben der Verwaltung erschweren jedoch unterirdische Leitungen die Planung. Während eine Gasleitung grundsätzlich angepasst werden könne, stelle vor allem der Hauptabwasserkanal zwischen Parkplatz und Grünfläche eine Herausforderung dar.
Genau darüber entbrannte die Diskussion. Ortsteilbürgermeister Markus Mess und Stadtrat Jens Thomas (Die Linke) kritisierten, ihnen sei erst nach dem Stadtratsbeschluss das Ausmaß der technischen Einschränkungen deutlich geworden. Dem widersprachen Tobias Birk (SPD) und Stadtentwicklungsdezernent Dirk Lange. Sie erklären, die Problematik sei bereits bekannt gewesen. Der beschlossene Kompromiss sei umgesetzt, das Baufeld auf den Parkplatz erweitert und die Schonung der Grünflächen in die Aufgabenstellung des Architektenwettbewerbs übernommen worden.
Wie das Gebäude letztlich auf dem Grundstück angeordnet wird, entscheidet ein nicht öffentlich tagendes Preisgericht. Nach Angaben von Dirk Lange gehören dem Preisgericht Fachpreisrichter (Architekten und Fachleute) sowie zwei Vertreter des Stadtrats, zwei Vertreter des Ortsteilrats und er selbst an. Kritiker bemängeln, dass die Bürger dabei nicht direkt beteiligt sind und nach der Entscheidung des Preisgerichts nur noch begrenzt Einfluss auf den Entwurf nehmen können.
Markus Mess befürchtet außerdem, dass die Interessen der Anwohner der Schomerusstraße dabei nicht ausreichend berücksichtigt werden. Er verwies insbesondere auf die Eingänge 15 und 17, die möglichst keinen Baukörper direkt vor den Balkonen erhalten sollten.
Im Verlauf der Debatte kam es zu mehreren persönlichen Vorwürfen.
Mit der Ablehnung der Bürgerbefragung läuft das Wettbewerbsverfahren für das Bürgerzentrum wie geplant weiter. Nach Abschluss des Wettbewerbs werden die Entwürfe öffentlich vorgestellt. Anschließend befasst sich der Stadtrat erneut mit dem Siegerentwurf und dem weiteren Vorgehen.
Die komplette Diskussion kann hier https://www.jenatv.de/sendungen/12/5666/Stadtratssitzung%20vom%2002.07.2026%20.html (Kapitel 1, ab 01:09:39) angeschaut werden.
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